Über Schuldgefühle

Über Schuldgefühle

Schuldgefühle und ihre Konsequenzen

Schuldgefühle sind weit verbreitet und können außerordentlich quälend sein. Schuldgefühle lösen eine Lawine anderer negativer Gefühle aus. Zum Beispiel Wertlosigkeit, Minderwertigkeitsgefühle, die Überzeugung ein schlechter Mensch zu sein, nicht mehr glücklich sein zu dürfen und Strafe zu verdienen. Unter solchen Bedingungen zu leben, lässt kaum einen frohen Tag zu.

Der Umgang mit Schuldgefühlen

Die Auslöser für Schuldgefühle können vielfältig sein. Gehen wir davon aus, dass ein Mensch glaubt, er hätte in seiner Wertung etwas „Schlimmes“ getan und fühlt jetzt Schuld. Er könnte sich entschuldigen. Was aber, wenn die Entschuldigung nicht angenommen wird oder es gibt keine Adresse für die Entschuldigung.

Zunächst könnte der Mensch Schadensbegrenzung betreiben, Auswirkungen bekämpfen, Ausgleich schaffen. Das ist sehr rational und lösungsorientiert. Der „Tat“ einen positiven Gegensatz bieten.

Das ist nicht einfach und kostet Überwindung, aber die Mühe lohnt sich, es schafft ein gutes, versöhnliches Gefühl und bringt Bewegung in den statischen Leidenszustand. Es ist selten zu spät für die Schadensbegrenzung.

Sind diese aktiven Möglichkeiten der Bekämpfung von Schuldgefühlen nicht möglich, könnte sich der „Täter“ selbst vergeben.

Sich wahrhaftig zu vergeben setzt Mitgefühl und Liebe zu sich selbst voraus. Die Königsdisziplin.

 

Die Selbstvergebung kann nicht mit einem Fingerschnippen geschehen, sondern in einem Prozess, der so lange dauert, wie er eben dauert.

Allerdings sind die Schuldgefühle eher diffus, unklar. Das sind Menschen, die sich schuldig fühlen, wenn der Spaten im Garten des Nachbars umfällt, der Kollege hängende Mundwinkel trägt, die Wäsche nicht so rein ist, wie die Werbung es darstellt oder die Oma einen Schnupfen hat. Diese Menschen leiden unter Schuldgefühlen, ohne jemals faktisch Täter gewesen zu sein.

In ihrem Gehirn läuft eine neuronale Straße in der Größe einer Autobahn und die heißt Schuldgefühle. Es hat Jahre gedauert diese Autobahn auszubauen. Als Kinder haben sie oft gehört: „Du bist Schuld, dass ich jetzt Kopfschmerzen habe. Benimm dich anständig, sonst machst du uns Schande! Gerade war es so schön ruhig und jetzt bist zu da!“

Oder noch genauer: „Hätte ich dich nicht bekommen, hätte ich mein Leben leben können!“

Oder subtiler, ohne viele Worte, wurde dem Kind vermittelt, dass es alles falsch macht, für alles die Schuld trägt und/oder nicht erwünscht ist. Auf diese Weise entstand die neuronale Autobahn.

Was steht wirklich in meiner Verantwortung? Bis wohin reicht meine Verantwortung? Bis zum Spaten des Nachbars? Bis zu den persönlichen Problemen des Kollegen? Geben Sie doch dem Waschmittel Schuld, wenn die Wäsche nicht strahlt! Und Omas Schnupfen ist eben ein Schnupfen und hat mit ihrem Immunsystem zu tun.

Wer streng religiös erzogen wurde, denke an die Erbschuld. Dem Sündenfall im Paradies vor mehr als 2000 Jahren. Auch hier werden Schuldgefühle mit leichter, aber strenger Hand verteilt.

Es gibt nicht wenige Menschen oder Institutionen, die genau diese Bereitschaft zur Übernahme von Schuld weidlich ausnutzen.

Stecken Sie Ihren Verantwortungsbereich realistisch ab.

Sie können nicht alles übernehmen. Jesus Christus hat die Schuld der Welt auf sich genommen. Für uns Sterbliche ist das zu groß, das ist zuviel Bürde. Gehen Sie in Verantwortung in Ihren Bereichen, ganz bewusst und lehnen Sie Schuld und Verantwortung, die Ihnen nicht gehört, ab. Der Spaten gehört dem Nachbarn, die schlechte Laune dem Kollegen, das Waschmittel hat der Hersteller produziert und der Schnupfen gehört der Oma.

Bemerken Sie, das schafft Klarheit in Ihrem Kopf und in Ihren Gefühlen – und Erleichterung!

Grundsätzlich kann man über Schuldgefühle sagen, dass sie niemandem nützen. Weder dem (vermeintlichen) Täter noch dem (vermeintlichen) Opfer. Sie machen nichts ungeschehen. Sie schaffen keine Lösungen, sie machen nur, dass Sie sich schlecht fühlen.

Wenn es Ihre Art ist, hart mit sich umzugehen, dann handeln Sie mit sich ein Strafmaß aus. Seien Sie ein milder Richter und lassen Sie den Schuldspruch nicht lebenslänglich ausfallen! Da das Leben im Hier und Jetzt immer Vorfahrt hat.

Vielleicht haben Sie Ihre Strafe längst abgesessen und dürfen das Gefängnis jetzt verlassen.

 

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