Das verborgene Spiel mit der Schuldzuweisung

Das verborgene Spiel mit der Schuldzuweisung

Haben Sie sich schon mal mit dem Umgang mit Schuld in unserer Gesellschaft bewusst auseinandergesetzt? Falls nicht, möchte ich Ihnen hier Impulse liefern um dahinter liegende Fallstricke offenzulegen.

Schuld ist ein Erziehungsstil und ein ausgezeichnetes Manipulationswerkzeug

Schuld ist so tief in uns installiert, dass wir uns so selbstverständlich darin verstricken, wie wir Wasser trinken.

Schon als Kind wurden wir über Aussagen wie „du machst alles kaputt“, „du bist Schuld daran, dass…“, „wegen dir, kann ich nicht….“ Das Kind, das geliebt werden möchte, nimmt diese Anschuldigungen und passt sich an das an, was von ihm gewünscht wird.

In manchen Familien besteht der größte Teil der Kommunikation aus gegenseitigen Schuldzuweisungen und empfindet das als völlig normal. Wie viel Liebevolles kann in einer Familie fließen, wenn die Atmosphäre von Schuld vergiftet ist?

„German Schuld“ und „German Angst“ sind feststehende Begriffe

Unsere Rolle im Zweiten Weltkrieg liegt noch heute wie ein großes Trauma auf der Bevölkerung. Die ganze Welt hat am Ende des Krieges mit den Fingern auf uns gezeigt und den Schuldspruch mannigfach ausgesprochen. Wir sind die Kinder und (Ur)-Enkelkinder derer, die an diesem Krieg beteiligt waren, entweder mitmarschiert sind oder stimmlos toleriert haben. Und gleichzeitig Familie, Freund und Heimat verloren haben.

Historische Traumata werden über viele Generationen weitergeben.

Schuldzuweisungen sind immer verletzend und kränkend, strafend und zurückweisend.

Das älteste Beispiel in Sachen Schuldzuweisung ist die Kirche

Jedes Christenkind kommt unter der Last der Erbsünde auf diese Welt (aus Betrachtung der Kirche), stellen Sie sich das mal vor? Wer denkt sich so etwas aus? Einen Säugling, der gerade die ersten selbständigen Atemzüge tut, mit dieser Schuld zu belegen!

Auch wenn Sie heute kein praktizierender Christ sind oder aus der Kirche ausgetreten sind, wurden Sie in dieser Geisteshaltung erzogen, sei es durch Ihre Eltern oder von Lehrpersonal in Kindergarten und Schule und/oder schlicht durch den Einfluss Ihres Umfeldes.

Geht Ihnen langsam ein Licht auf, wie tief Schuldgefühle in uns allen installiert sind? Und wie leicht es ist, an diesem Knopf zu drücken? In der Regel reagieren die meisten Menschen auf Schuldzuweisung wie damals als Kind. Mit Rücknahme, Rückzug, Scham, Angst nicht mehr geliebt und aus der Gemeinschaft gestoßen zu werden. Und manche werden aggressiv.

In der Politik scheint die Schuldzuweisung eines der wichtigsten Elemente zu sein. Ein Politiker profiliert sich auf Kosten des anderen, indem er ihn für schuldig erklärt. Ein recht simpler Vorgang, der in der Politik ganz bewusst genutzt wird. Manche beherrschen das Spiel ganz meisterlich, die Meister der Intrige.

Dieses Spiel hat viele Facetten, z.B. ein Missstand wird offenbart und sogleich wird die ganz große Trommel geschlagen: wer hat das zu verantworten, wer ist Schuld? Dieser Diskussion wird größte Aufmerksamkeit geschenkt und extrem viel Zeit. Wochen und Monate kann die Findung des Schuldigen in Anspruch nehmen. Natürlich unter Beteiligung der Medien, die Volksseele kocht und in dem Moment, wenn der Schuldige gefunden wurde, ist die Volksseele beruhigt und das Thema ist plötzlich vom Tisch.

Ist Ihnen in diesem Zusammenhang jemals der Gedanke an Schadensbegrenzung gekommen?

Die Frage hat Berechtigung: Wie intelligent ist es, die Diskussion (Zeit und Energie) der Schuld zu fokussieren, statt sich der Schadensbegrenzung zu widmen. Egal, ob in der Familie oder in der Politik?

Um unbewusste Reaktionen auf Schuldzuweisung ins Bewusstsein zu holen, können Sie mal nachspüren, wenn

  • Sie plötzlich Scham empfinden,
  • Angst verspüren, aus der Gruppe, Familie, Team, Freundschaft gedrängt zu werden,
  • wütende Gefühle spontan in Ihnen entstehen,
  • oder sich ohnmächtig und innerlich gelähmt fühlen,
  • Sie sich nötigen lassen, etwas zu tun, was Sie nicht tun möchten
  • Sie die eigene Meinung aufgeben und ungeprüft in Anpassung gehen

Dort wo alte Festlegungen und Stereotypen aufhören, öffnet sich eine neue Welt.

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