Dankbarkeit und positives Denken - Pro und Contra

Dankbarkeit und positives Denken - Pro und Contra

Hier lese ich Dir den Artikel vor.

Nicht wenige Klienten, die unter depressiven Verstimmungen und vielfältigen Ängsten leiden, geben an, daran selbst Schuld zu sein. „Ich kann nicht positiv denken und empfinde keine Dankbarkeit“. Diese Schuldzuweisung und die angebliche Unfähigkeit geben ordentlich Druck auf die instabile Stimmung des Menschen und verursachen neue Symptome und gedankliche Irrwege.

Auf genauere Nachfrage erfahre ich, dass diese Menschen wirklich glauben, sie müssten für Verstimmung, Angst und Panik dankbar sein und positiv darüber denken. Woher diese Erwartung kommt, kann nicht klar benannt werden.

Tatsächlich entsteht hier ein Konflikt im Menschen. Diese Erwartungshaltung erhöht den Druck des Gefühls „mit mir stimmt etwas nicht!“

Grundsätzlich ist der Mensch so angelegt, dass er unter Schmerz, Angst und Schicksalsschlägen leidet. Eine Dankbarkeit aus Leid zu leiern, ist eine sportliche Aktion, wenn nicht sogar eine Vergewaltigung der Seele.

Im Leid für das Leid dankbar sein zu müssen, das Elend in positive Gedanken kleiden, entspricht einer Verdrehung der Gefühlswelt und des gesundes Menschverstandes.

Die Wissenschaft hat klare Erkenntnisse und Begrifflichkeiten:

  1. Nach der Hebbschen Regel kann der Mensch nicht gleichzeitig zwei extrem unterschiedliche Gefühle empfinden. Schmerz und Glück, z.B.
  2. Masochismus bedeutet im nicht sexuellen Kontext die Bereitschaft zu Qual und Demütigung, körperlich sowie seelisch und das als angenehm zu empfinden.
  3. Aus der Kinder-und Jugendpsychologie gibt es den Begriff des Doublebind, er beschreibt eine spezielle, doppelte Bindung an die Eltern. Auf der einen Seite liebt jedes Kind seine Eltern, es kann zunächst nicht anders. Wenn aber die Eltern gewalttätig und missbrauchend sind, und/oder das Kind vernachlässigen, entsteht die pathologische doppelte Verbindung. Das Kind ist über Liebe und Schmerz an die Eltern gebunden. Im Innenleben des Kindes spaltet sich etwas auf und es entsteht ein gestörtes Abhängigkeitsverhältnis.

Ein gutes Beispiel für diese Art Verdrehung ist der prügelnden Vater, der dem Kind sagt, es wäre zu seinem besten. Schmerz und Dankbarkeit. Es geht um Konditionierung=Erlerntes.

Konditionierung hebt unsere gesunden Empfindungen und Reaktionen aus den Angeln und trickst mit links die Intelligenz des Menschen aus.

  • Tatsächlich können wir auch im Leid dankbar sein, vielleicht dafür, dass wir Menschen an unserer Seite haben, die uns durch das Tal begleiten.
  • Für Lichtblicke auf dem Weg, für Musik oder ein gutes Buch, die uns trösten
  • oder ein nettes Gespräch, das uns auf andere Gedanken bringt.
  • Für einen guten Tag und den Silberstreifen am Horizont

Hier fällt es leicht, ein Gefühl der Dankbarkeit zu empfinden, da es mit den Inhalten und den Gefühlen des Menschen übereinstimmt. Wie viel gesünder fühlt sich das an?!

Um die Konditionierung zu entdecken, die so viel Macht über uns hat, müssen wir weit in die Geschichte der Menschheit zurückgehen. Das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Echte Meister des positiven Tuns oder der positiven Vorstellung waren und sind die Naturvölker.

Im Regentanz der Indianer zeigt sich ein wahrer Schöpfungsakt. Wenn der Regen ausblieb und die Gefahr einer Missernte bestand, waren die Indianer nicht für die Trockenheit dankbar!

Der Ausfall der Ernte würde bedeuten, dass die schwächsten Stammesmitglieder den Winter nicht überleben würden. Beim Regentanz trommelten und tanzten sich die Indianer in Trance. Im veränderten Bewusstseinszustand stellten sie sich mit allen Sinnen den Regen vor. Wie er am Himmel aufzieht und sich ergießt über die Felder, die Menschen und Tiere. Sie stellten sich vor, wie sich der Regen auf der Haut anfühlt und wie es riechen würde, wenn der Regen auf das trockene Land fällt.

Das ist Manifestation vom Feinsten! Dabei musste niemand seine innere Haltung aufgeben. Ein starker Akt von eigenmächtigen Menschen.