Gaslighting oder wie man eine stabile Persönlichkeit zerrütten kann

Gaslighting oder wie man eine stabile Persönlichkeit zerrütten kann

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Gaslighting ist ein relativ neuer Begriff um die Methoden des Narzissten zu beschreiben mit denen er seine Opfer manipuliert. „Gaslight“ ist ein Theaterstück aus den 1930er Jahren, das später mit Grace Kelly als Bella Manningham verfilmt wurde, die von ihrem Mann willentlich in den Wahnsinn getrieben wird.

Gaslighting ist eine perfide Methode, die nicht nur in Partnerbeziehungen Anwendung findet! Auch Eltern können Gaslighter sein sowie Freunde, Vorgesetzte und Kollegen, auch in den Sozialen Medien finden Gaslighter eine große Wirkungsstätte und nicht zuletzt in der Politik.

Um verstehen zu können wie ein Mensch einen anderen in tiefste Unsicherheiten und Selbstzweifel und damit in Ängste und Depression führen kann, muss man unsere Wahrnehmung betrachten.

Über unsere fünf Sinne, sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen nehmen wir die Welt wahr. In unser System fließen im Wachzustand unzählige Sinneswahrnehmungen ein. Die Selektion der Informationen findet individuell statt, jeder filtert aus der Flut das, was für ihn wichtig ist. Wir vertrauen unseren Sinnen ganz selbstverständlich wie unserer Atmung.

Genau hier setzt der Gaslighter an

Ein wichtiges Werkzeug um das Opfer zu verunsichern ist die LÜGE:

„Das habe ich so nicht gesagt.“ „Das hast du falsch verstanden.“ „Wir haben etwas anderes vereinbart.“ „Du kannst dir nichts merken.“ Oder gleich: „Du bist verrückt.“ Das sind typische Aussprüche des Gaslighters/in.

Abmachungen, Absprachen, Vereinbarungen werden permanent geleugnet. Das Opfer zweifelt an seinem Hörvermögen, seiner Merkfähigkeit, an seiner Wahrnehmung der Realität. Der Täter/in beharrt auf seine von ihm verdrehte Version der Dinge.

Die Umdeutung von Ereignissen ist eine weitere Variante mit gleichem Ziel. Ein gemeinsam erlebtes Ereignis wird völlig anders dargestellt als es das Opfer in Erinnerung hat.

Der Gaslighter/in deutet auch die eigene Position um, wenn es ihn im besseren Licht erscheinen lässt, macht er das Opfer zum Täter und er ergießt sich im Opferdasein und in Vorwürfen.

Der Gaslighter braucht immer eine gute Presse!

Die Zerstörung der guten Gefühle des Opfers sind ein wichtiges Ziel. Alles, was das Opfer mag, liebt, was ihm Freude macht oder wichtig ist, wird ins Lächerliche gezogen, verspottet, als dumm oder idiotisch etikettiert. Oder: es wird vom Gaslighter/in quasi übernommen–die Interessen des Opfers sind plötzlich die des Gaslighters. Und waren nie die des Opfers.

Eine weitere Methode ist das Bild des Opfers in der Öffentlichkeit zu beschädigen, es als instabil, schwach und unzuverlässig darzustellen. Sie können sich vorstellen, wie es sich für einen Menschen anfühlt, vor den Augen und Ohren der Welt als „Psycho“ vorgeführt zu werden.

Gaslighter machen gerne Öffentlichkeitsarbeit, so schmeicheln sie sich in die Familie und Freundeskreis des Opfers ein, geben dort den besten und tollsten Freund, den man sich wünschen kann. Oft wird das von den manipulierten Menschen nicht durchschaut und das Opfer verliert selbst im engsten Kreis seine Glaubwürdigkeit und langjährige vertrauensvolle Beziehungen.

Wenn sich das Opfer dann den Eltern oder Freunden anvertraut, darüber spricht, was ihm geschieht, erhält es Reaktionen wie „nein, das kann nicht sein, so ist er/sie nicht.“

Wenn das Opfer den Täter/in mit seinen/ihren Lügen und Unstimmigkeiten konfrontiert, können sich Aggressionen bis hin zur Gewalt entladen.

Meist jedoch zieht sich der Täter/in zurück und spricht tagelang kein Wort. Er gibt dem Opfer subtil das Gefühl einen Fehler gemacht zu haben und suggeriert Schuldgefühle.

Die Projektion: Hat der Gaslighter/in ein Alkoholproblem, wird er dem Opfer Alkoholismus unterstellen, ist er untreu, wird er dem Opfer Untreue andichten. Kann er mit Geld nicht umgehen, beschuldigt er das Opfer, zu viel Geld auszugeben.

Es geht um Kontrolle und nichts als Kontrolle

Das Ziel des Gaslighters ist die Kontrolle über das Opfer. Er/sie wird die Werkzeuge anwenden bis das Opfer völlig demontiert, verunsichert und damit von ihm/ihr abhängig ist.

Die Beziehung zu einem Gaslighter kann und muss als toxisch und zerstörerisch bezeichnet werden.

Unter dem Einfluss der o.g. Methoden ist es tatsächlich möglich, aus einer stabilen Persönlichkeit, eine labile Persönlichkeit zu machen.

Ein Mensch, der über längeren Zeitraum in seinen Wahrnehmungen untergraben wird, kommt zermürbt zu dem Schluss, dass er sich selbst nicht mehr vertrauen kann. Hier entstehen Ängste, Panik und Depression. Und der Glauben, alleine nicht lebensfähig zu sein. In Liebesbeziehungen schleicht sich der Prozess ein, da der Gaslighter/in zu Beginn ausgiebig um das Opfer wirbt, charmant und aufmerksam ist. Die Liebe verschleiert das Offensichtliche und verstrickt das Opfer in seinen Gefühlen.

Desaströs ist der Gaslighter/in als Elternteil für die Psyche des Kindes. Eine gesunde Entwicklung eines Selbstgefühls ist für diese Kinder kaum möglich. Auch hier wird gelogen, verdreht und projeziert. Durch seine Abhängigkeit kann sich das Kind nicht distanzieren.

Das ideale Opfer ist der empathische Mensch

Beim Schreiben dieses Artikels muss ich feststellen, dass ich schlechte Laune bekomme. Es ist tatsächlich so, dass speziell empathische Menschen Gefahr laufen, ein Opfer eines Gaslighters/in zu werden.

Der Empath ist ein besonders gefühlvoller Mensch, der sich gut in andere einfühlen kann, großes Verständnis aufbringt. Der Empath ist schnell bereit, eigene Wünsche und Bedürfnisse hinten anzustellen. Und genau diese Fähigkeiten macht ihn für den Täter/in geradezu ideal. Ein weniger empathischer Mensch hätte schnell die Tricks und Faxen dick und würde die Bühne verlassen, der Empath gibt nicht so schnell auf.

Gaslighting-Methoden sind profunde Manipulation, Gehirnwäschetricks, gezielte Strategien. In der Erweiterung sind es Methoden wie Mind Control, die in Bereichen des Militärs oder auch Sekten angewandt werden. Dabei geht es um die Zerstörung der Psyche, um die 100%ige Kontrolle und Steuerungsfähigkeit über einen Menschen zu erlangen.

Mancher Narzisst/in verwendet die Manipulation intuitiv und von Vorbildern erlernt, andere besuchen Kurse oder studieren Bücher um ihre Methoden zu verfeinern und erweitern.

Auch wenn der Begriff „Gaslighting“ neu ist, die Methode ist es nicht. Seit jeher gibt es Täter und Opfer, Mächtige und Machtlose, die Zeit ist reif zu erkennen, wer wir sind und was uns umgibt. Seien Sie wachsam und lassen Sie sich nicht von anderen Menschen benutzen, weder von Partnern, Eltern, Kollegen oder falschen Freunden. Auch die Macht eines Vorgesetzten ist begrenzt. Geben Sie eigene Bedürfnisse nicht zu Gunsten anderer auf. (Das würden Sie im Gegensatz von anderen nie verlangen!!)

Wenn Sie sich in der Anwesenheit eines bestimmten Menschen nicht wohl fühlen, sich schwach, hilflos und unzulänglich fühlen, gehen Sie dem nach. Der beste Schutz vor Manipulation ist das Erkennen und die Erkenntnis.

Hier noch die Links zu zwei Videos zum Thema Narzissmus:

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